Arnstorf/Deggendorf. „Daheim würden wir so das Haus in die Luft sprengen“, rief die zwölfjährige „Studentin“ Martina mit großen Augen, als Magic Andy vor ihr Feuer spuckte. An diesem Nachmittag war in der Fachhochschule wieder einiges anders als an normalen Unterrichtstagen: Die Studenten waren jünger, ihre Reaktionen auf die „Vorlesung“ impulsiver und der Professor irgendwie ausgeflippter. Die Kinder-Uni, eine von der PNP unterstützte Vorlesungsreihe für Neun- bis Dreizehnjährige, stand dieses Mal unter dem Motto „Das verrückte Chemielabor“. Der freiberufliche Chemiker, Entertainer und Autor Dr. Andreas Korn-Müller zeigte, dass Wissenschaft feurig, explosiv und sogar magisch sein kann.

Fasziniert verfolgten 38 Kinder der 6. Klassen der Realschule Arnstorf die chemischen Hexereien. Auf Einladung des XperRegio-Teams waren sie zu Besuch in der Kinder-Uni. Das Interesse war so groß (90 Anmeldungen), dass die 5. Klassen auf einen anderen Termin vertröstet werden mussten.
Seinen jungen Hörern offenbarte Dr. Korn-Müller, dass Milch nicht nur gut schmeckt, sondern auch als Zaubertinte einiges hermacht: Die Flüssigkeit einfach auf ein leeres Blatt Papier pinseln und weißen Pfeffer darüber streuen. Viele kleine „Studenten“ waren ziemlich ungläubig, als aus dem Nichts plötzlich ein Buchstabe nach dem anderen sichtbar wurde. Noch größer war die Begeisterung im Hörsaal, als Magic Andy vor den Augen der Mini-Studenten aus wenigen Zutaten Filmblut herstellte. Dieses kam in einer nachgestellten Kampfszene aus dem Kassenschlager „Fluch der Karibik“ auch gleich zum Einsatz, wobei Michael aus Arnstorf „Jack Sparrow“ doubeln durfte. Das Ergebnis: Ein „verletzter“ Magic Andy und viel rotes „Blut“ an seinem Arm.

Weniger „blutig“, dafür genauso spannend war das nächste Experiment des Chemikers: „Auf einem Tablett lasse ich nun einen Eisberg wachsen“, kündigte er an und vermischte Natriumacetat mit Wasser. Tatsächlich: Faszinierte Kinder in den Sitzreihen verfolgten, wie sich ein eiszapfenähnliches Gebilde mit jedem Tropfen Wasser ein Stück weiter emporhob. Sogar anfassen durften sie das Gebilde. „Aber das ist ja warm“, bemerkten die Hobby-Chemiker, „das kann kein Eis sein!“ Den schlauen Mini-Studenten kann man eben nichts vormachen, musste Magic Andy an dieser Stelle erkennen und gab zu, was eh bereits alle ahnten. Der Stoff kristallisiert, erklärte er. „Dann ist das ja derselbe Stoff wie bei den Taschenwärmern“, rief einer der schlauen Zuhörer und verschaffte sich mit dieser Erkenntnis Respekt.

Höhepunkt der Show war, als der promovierte Chemiker Pulver aus einem Röhrchen in eine Flamme pustete und für eine kurze Stichflamme sorgte. „Wow, cool“, riefen die aufgeregten Kinder aus dem Publikum. Drei von ihnen durften schließlich selbst noch Feuer spucken. Bärlappsporen aus Tibet – ihnen hatten die Kleinen die Reaktion zu verdanken. „Kaufen kann man das aber erst, wenn man 18 Jahre alt ist“, erklärte Magic Andy. Alle Versuche reicherte der Chemiker mit Informationen über die verwendeten Stoffe und deren Reaktion miteinander an. Gut, dass viele der kleinen Studenten ihren Block dabei hatten und alles fein säuberlich mit notierten.
„Meine Schüler hatten großen Spaß“, zog Realschullehrerin Elisabeth Spann ein Resümee des Besuchs an der Kinder-Uni. Sehr schön fand sie, dass „die Kinder stark miteinbezogen wurden und einzelne unter Anleitung selber experimentieren durften“. Das Angebot der XperRegio, Schülern den Besuch der KinderUni zu ermöglichen, sei äußerst wertvoll, so Rektor Jürgen Böhm. In den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern werde es in Deutschland in naher Zukunft erheblichen Bedarf an Nachwuchskräften geben. Da freue es ihn besonders, „wenn Schüler bei einer solchen Veranstaltung Feuer fangen.“ – ke
Rottaler Anzeiger, 12.02.2010