European Enterprise Awards 2007

für den unternehmerischen Wegbereiter (Entrepreneurial Trailblazer Award)
A. Projektdaten
I. Angaben zum Bewerber
| Name der Organisation: | XperRegio |
| Postanschrift: | Rathausplatz D-94424 Arnstorf |
| Land: | Deutschland |
| Web-Adresse: | www.xperregio.de |
| Kontaktperson (Name und Titel): | Dipl.-Ing. Franz Dullinger, Regionalmanager |
| Telefon: | +49 9901 9038 00 |
| Fax: | +49 9901 9038 10 |
| e-mail: | office@stopgo.net |
XperRegio (von Experten, Region) ist eine seit 2003 bestehende strategische Allianz von niederbayerischen Kommunen für mehr Unternehmertum, Arbeitsplätze und Lebensqualität.
Mit einem eigenständigen „Handlungsprogramm 2020“ und einem installierten Regionalmanagement in „Public Private Partnership“ verwirklicht XperRegio seine Ziele. Die Europäische Kommission hat die Initiative XperRegio als Modell für regionale Entwicklung ausgewählt und erstmalig regionale Entscheider mit der Kompetenz ausgestattet, EU-Mittel eigenverantwortlich zur Unternehmerförderung einzusetzen. Das EU-Modellprojekt wurde 2005 und 2006 in der Region erfolgreich implementiert. Im Oktober 2006 hat das Bundesverkehrsministerium XperRegio mit dem Bundespreis für Interkommunale Kooperation ausgezeichnet.
Das vom Europäischen Fonds für Regionalentwicklung geförderte Modellprojekt wurde mit den sieben Gründerkommunen (ca. 50.000 Einwohnern) umgesetzt. Bis Oktober 2006 ist der Kommunalverbund auf 22 Mitglieder (ca. 120.000 Einwohner) angewachsen. Als wesentlicher Schritt hin zu einer verstärkten unternehmerischen Eigenbindung haben sich die Mitglieder von XperRegio im Dezember 2006 in einer GmbH zusammengeschlossen.
Das EU–Modellprojekt
1. Ausgangssituation
Die Ausgangssituation ist typisch für ländliche, eher abseits gelegene und traditionell bäuerlich geprägte Regionen: Die gut ausgebildeten jungen Menschen wandern den Arbeitsplätzen in die Zentren der Welt hinterher. Viele Ortskerne entleeren sich, die Landstriche werden mit Charakterisierungen von „verschlafen“ bis „hoffnungslos“ belegt. Die demographische Entwicklung macht sich verstärkt bemerkbar.
Gerade in diesen kleineren ländlichen Gemeinden sind Entrepreneure bisher viel zu wenig im Bewusstsein der Kommunalpolitik angekommen. Bestehende Programme zur „Ländlichen Entwicklung“ sind immer noch einseitig auf landwirtschaftsnahe und Verschönerungsmaßnahmen ausgerichtet. Die Kommunen kümmern sich vorwiegend um andere Bevölkerungsgruppen. Denn es herrscht die Überzeugung: „Unternehmer kommen selbst zurecht.“ Unternehmertum zu fördern gilt meist als ein Thema der Städte und Hochschulen.
Auch die für Regionalförderung im Freistaat Bayern Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung haben den unternehmerischen Menschen bisher zu wenig im Blick. Dort bedeutet Wirtschaftsförderung: Fokussierung auf große Investitionen in Gebäude und Maschinen mit einem Mindestinvestitionsvolumen von 500.000 EUR sowie Orientierung an scheinbar zukunftsträchtigen Entwicklungen im High-Tech-Bereich.
Das Ergebnis dieser kurzen Analyse ist eindeutig: Eine effektive Unterstützung von 90 % der unternehmerischen Kräfte in ländlich geprägten Gebieten – Gründer und diejenigen mit weniger als 30 Mitarbeiter – ist mit den vorhandenen starren, zentral verwalteten Förderinstrumenten und aufgrund der fehlenden dezentralen, selbstverantwortlich initiierten Managementstrukturen nicht möglich.
2. Herausforderung
Experten für Regionalentwicklung und Kommunalpolitiker sehen diese Lücke seit mehreren Jahren. Sie sind überzeugt, dass neben identitätsstiftenden Maßnahmen vor allem die Investitionen in unternehmerische Menschen ein besonders effektiver Ansatz für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung ist. Und sie wissen: Immer noch strapazierte großräumige Einteilungen in starke (z.B. Baden-Württemberg) und schwache (z.B. Brandenburg) Regionen sind jetzt schon nicht mehr haltbar. Denn in Zukunft werden starke und schwache Regionen in Europa kleinräumig sein und eng nebeneinander liegen.
Für Regionen mit Drang zu einer lebendigen Zukunft liegen die Dinge somit auf der Hand: Sie müssen das Heft selbst in die Hand nehmen und sich dem „Wettbewerb der Regionen“ stellen. Sie müssen aktiv das unternehmerische Potential in der Region stärken. Sie müssen regionale und internationale Partnerschaften stärken. Kurzum: Sie müssen selbst unternehmerischer werden und die eigene Zukunft gestalten.
3. Gründung von XperRegio
Genau das nahmen sich die sieben XperRegio-Gründungskommunen zu Herzen. Sie stellten sich der Herausforderung und initiierten eine strategische Allianz für mehr Unternehmertum, Arbeitsplätze und Lebensqualität. 2003 verabschiedete XperRegio ein eigenständiges „Handlungsprogramm 2020“ und richtete ein eigenes Regionalmanagement in „Public Private Partnership“ ein. Gemeinsam mit engagierten Unternehmertypen machte sich XperRegio auf den Weg, um ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen: Eine Region gestalten, die konsequenter als andere in Europa die Freude am eigenverantwortlichen Unternehmen unterstützt. Zu diesem Zweck fördert XperRegio Menschen individuell und maßgeschneidert in ihren mutigen Unternehmungen. Die EU-Kommission erkannte in dieser Initiative ein Modell zur Mobilisierung von Innovationspotenzial „in der Fläche“ und damit einen beispielhaften Beitrag der kommunalen Ebene zu den Zielen von Lissabon. Für die Jahre 2005 und 2006 wurden daher XperRegio 3 Mio. EUR EU-Mittel zur Verfügung gestellt, die das regionale Entscheidungsgremium eigenverantwortlich und mit wenig bürokratischem Aufwand einsetzen konnte.
III. Umsetzung des Projekts
1. Handlungsprogramm
Um das Ziel einer konsequenten Förderung von unternehmerischen Menschen zu erreichen, hat XperRegio ein eigenständiges „Handlungsprogramm 2020“ aufgestellt. Darin werden die grundlegenden Ziele von XperRegio formuliert. Diese sind:
- Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Unternehmen verbessern
- Gründer aus allen Bereichen individuell unterstützen
- Arbeitsplätze sichern bzw. neue schaffen
- Ausbildungsplätze schaffen sowie die Ausbildungsbedingungen verbessern
- Betriebsaufgaben mangels Nachfolger verhindern und die zu übergebenden Betriebe erneuern
- Die Angebote und Möglichkeiten der Region der Bevölkerung näher bringen
- Neue Gestaltungs- und Vermarktungswege für unsere Region schaffen
- Fach – und Führungskräfte weiterbilden und qualifizieren
- Modellprojekte in Kindergärten und Schulen verwirklichen,
- Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmern, Kommunen und Privatpersonen fördern
2. Leistungsangebot
Um die Ziele des Handlungsprogramms zu verwirklichen, wurde in einem zweiten Schritt ein Leistungsangebot definiert und in 4 Bereiche eingeteilt.
Individuelle Unterstützung unternehmerischer Menschen
Die individuelle und maßgeschneiderte Unterstützung der regionalen unternehmerischen Menschen ist eine Kernaufgabe von XperRegio. Sie wird auf folgende Weise durch das initiierte Regionalmanagement umgesetzt:
- Hilfe bei der Aufstellung und Weiterentwicklung der Businesspläne
- Impulse zur strategischen Unternehmensausrichtung (Herausarbeiten einer USP)
- Projektdesign und Hilfe bei Antragsstellung
- Definition von Schnittstellen zu spezifischen Beratungsleistungen
- Auf- und Ausbau von Themennetzwerken und Angebotsgruppen
- Kontaktvermittlung (Kooperationspartner in den Bereichen Marketing und Vertrieb, Finanzierung, Lieferanten, Standort und F&E)
Projektabwicklung
Durch die Auszeichnung von XperRegio als EU-gefördertes Modellvorhaben ergeben sich spezielle Anforderungen an die Initiative. Für eine korrekte förderrechtliche Abwicklung sind folgende Arbeitsschritte sicher zu stellen:
- Antragsvorprüfung, inklusive Empfehlung für die Entscheidungen des Lenkungsausschusses
- Erstellung der Förderbescheide
- Begleitung der Projektabwicklung
- Durchführung der Rechnungsprüfung
- Verfassen der Evaluierungsberichte
Marketing/PR nach innen und außen
Die Optimierung der Kommunikation zwischen den Akteuren in der Region und darüber hinaus ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit von XperRegio. Durch die Durchführung regelmäßiger Veranstaltungen wird auf die Initiative aufmerksam gemacht und die geförderten Unternehmer der Öffentlichkeit vorgestellt. Besonders erfolgreichen Vorhaben wird so die notwendige Breitenwirkung verschafft, die sie zur Weiterentwicklung benötigen.
Strategische Arbeit zur Entwicklung der Region
Um die Entwicklung von XperRegio und der ganzen Region weiter voran zutreiben, arbeitet XperRegio unablässig an der Weiterentwicklung seiner Strategie. Zu den wichtigsten Aufgaben zählen hierbei:
- Laufende Sichtung neuer Trends und Entwicklungen in Europa
- Laufender Überblick über zu XperRegio passende EU-Programme
- Erfahrungsaustausch und Vernetzung mit anderen europäischen Regionen
- Fortschreiben der Entwicklungsziele der Region und der dazu notwendigen Maßnahmen
- Anhaltende Initiierung von Schlüsselprojekten (Businessplan, Partnerschaft, Finanzierung)
- Überzeugungsarbeit bei Politik und Verwaltung auf allen Ebenen
- Laufende Bedarfsermittlung in der Region
- Sammlung von zukünftigen Projektideen
- Projektcontrolling: Wirkung der Projektarbeit auf die Regionalentwicklung
3. Konkrete Förderarbeit
Das von XperRegio initiierte Regionalmanagement und die Bürgermeister der XperRegio-Kommunen sind stets auf der Suche nach unternehmerischen Menschen, die mit einem inneren Antrieb „ihre Sache“ vorantreiben. Diese Unternehmer im weiteren Sinne des Wortes lassen sich dabei in verschiedene Gruppen einteilen:
Die Kompetenten
Fachkundige, sich unternehmerisch verhaltende Menschen mit viel Erfahrung im Umgang mit einem bestimmten Thema, für das sie Verantwortung übernehmen. Die Spanne reicht hierbei vom Gemüseanbau über Volksmusik bis zur Medizin.
Die Begeisterten
Menschen, die ihre ganze Kraft einsetzen, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können. Sie sind wichtige Triebfedern in allen Vitalbereichen der Gesellschaft – in Politik, Wirtschaft und Kultur.
Die Mutigen
Menschen, die Neues ausprobieren. Mit Zielstrebigkeit und hoher Risikobereitschaft, aber auch mit großem Verantwortungsbewusstsein beschreiten sie erfolgreich ungewöhnliche Wege.
Diese unternehmerischen Menschen sind die treibenden Kräfte für ständige Erneuerung und verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der Region. XperRegio findet diese Menschen und gibt Ihnen einen Impuls, um ihre Ideen schneller in Wert setzen zu können.
Jeder unternehmerische Mensch, der per Geschäftsplan die Tragfähigkeit und einen Mehrwert seines Vorhabens für die Region nachvollziehbar darstellen kann, bekommt von XperRegio individuelle Unterstützung in Form von Beratung, Kontaktvermittlung und maßgeschneiderter finanzieller Förderung. Der Prozess zeichnet sich dabei durch eine besondere Herangehensweise aus. Beim ersten Kontakt mit dem Regionalmanagement werden dem Bewerber drei Fragen gestellt:
1. Mit welcher Leistung verdiene ich in fünf Jahren Geld?
2. Mit welcher Leistung schaffe ich in fünf Jahren einen immateriellen Mehrwert für die Region?
2. Wie unterscheide ich mich von meinen internationalen Wettbewerbern?
Originelle Antworten auf diese Fragen dienen einer ersten Einschätzung des innovativen Gehalts des beantragten Vorhabens. Denn gefördert werden nur Projekte, die zu einer messbaren Weiterentwicklung der geplanten Unternehmung beitragen. Ist dies der Fall, wird in einer Projektskizze und per Entwurf eines Businessplans gemeinsam das Projektvorhaben weiterentwickelt. Der Aufwand hierfür liegt meist zwischen zwei und acht Beratungstagen. Das Regionalmanagement ist dabei besonders gefordert: Sowohl Fachkompetenz als auch der Aufbau einer vertrauensvollen zwischenmenschlichen Beziehung ist in dieser Zeit für den weiteren erfolgreichen Verlauf der Unternehmung von zentraler Bedeutung.
Nach dieser ersten Entwicklungsphase wird ein formeller Antrag auf XperRegio-Förderung gestellt, vorausgesetzt es besteht keine Möglichkeit auf Förderung in konventionellen staatlichen Programmen.
Mindestens alle zwei Monate findet eine Sitzung des Lenkungsausschusses statt, das offizielle regionale Gremium zur Förderentscheidung. Vertreten sind dort die regionalen Hochschulen, die Wirtschaftskammern und die Kommunalpolitik. Dort präsentiert jeder Antragsteller sein Vorhaben in 15 Minuten. Nach einer kurzen Diskussion wird sofort entschieden. Für eine positive Förderentscheidung sind neben der Innovationshöhe des vorgestellten Projekts die Qualitäten des unternehmerischen Menschen von ebenso großer Bedeutung. Bei positiver Entscheidung durch den Lenkungsausschuss erhält der Unternehmer innerhalb von 24 Stunden einen Förderbescheid.
Die Verwirklichung einer richtungsweisenden Unternehmung mit hohen Innovationsgehalt braucht Kraft, Zeit und Geld. XperRegio passt daher die Förderleistungen auf den individuellen Bedarf an. In den meisten Fällen zählen dazu:
Beratungsleistungen
Entwicklungskosten für neue Produkte und Dienstleistungen
Marketing und Vertrieb (Vorlaufkosten)
Qualifizierung und Zertifizierung
Kooperationen
Während der folgenden Umsetzungsphase besteht stets enger Kontakt zwischen XperRegio und dem geförderten Unternehmer. Das Regionalmanagement steht jederzeit mit Rat zur Seite und nutzt jede Gelegenheit, dem Unternehmer Öffentlichkeit zu verschaffen und ihn mit passenden Partnern zu vernetzen. Die Förderung endet schließlich mit einer Erfolgskontrolle und der Überprüfung des korrekten projektbezogenen Fördermitteleinsatzes.
IV. Beispiel aus der Projektarbeit
Werner Rüdel, Drehfix Systems GmbH
Werner Rüdel kommt aus einer landwirtschaftlich geprägten Familie und ist von Beruf Schreinermeister. Im Jahr 2002 hatte er die Idee für ein neuartiges Dübelsystem: Eine speziell entwickelte Ankerstange wird in einen Dübel mit Führungsfunktion gesteckt und mit einem Vierteldreh stufenlos justiert. Im Schnitt werden maximal drei Sekunden für das Einsetzen und die Drehung der Ankerstange benötigt – und das mit minimalem Kraftaufwand.
Die Vorteile dieser Erfindung sind überzeugend: 80% Zeitersparnis beim Montageprozess, einfache und schnelle Abstandjustage, Klemmung über die gesamte Lochlaibung. Da das Marktvolumen für Dübel in Europa bei 1,2 Mrd. Stück pro Jahr liegt, ist das Potential einer Neuentwicklung in diesem Bereich sehr groß.
2005 erhielt Herr Rüdel die europaweiten Patentrechte für seine Erfindung. Gemeinsam mit XperRego begann er, an der Etablierung des neuen Produkts auf dem Markt zu arbeiten. Herr Rüdel setzte sich dabei ein ehrgeiziges Ziel: mittelfristig 5 % Marktanteil in Europa. In einem ersten Schritt wurde mit Hilfe des Regionalmanagements der Geschäftsplan und ein Marketingkonzept aufgestellt, sowie Partner für Produktion und Vertrieb gefunden. Zusätzlich wurden zahlreiche Gespräche mit Banken und Fördergebern der öffentlichen Hand geführt, um das notwendige Startkapital sicherzustellen. Die Banken verhielten sich jedoch zunächst passiv, kein einziges öffentliches Förderprogramm kam zum Tragen. Es bestand somit die Gefahr, dass die Industrie das Patent billig erwirbt und das damit verbundene Potenzial einmal mehr aus dem ländlichen Raum abwandert, womöglich nach Fernost.
XperRegio war in dieser Situation für Herrn Rüdel die letzte Chance. Der Lenkungsausschuss entschied positiv über eine Förderung der Kosten für Marketing und Vertrieb. Dieser Vertrauensvorschuss von XperRegio bewirkte ein Umdenken bei den Banken. Die Finanzierung konnte somit doch noch gesichert und im Oktober 2006 die Drehfix Systems GmbH gegründet werden.
Es folgten zahlreiche Messeauftritte, Qualitätssicherung und –zertifizierung, Weiterentwicklung und Fertigung der Maschinen, die Rekrutierung der ersten Mitarbeiter, usw. Im August 2007 war es schließlich soweit: Herr Rüdel verkaufte die ersten Dübel. Aber die nächsten Schritte sind bereits in Bearbeitung. Nun gilt es, von Kleinserienproduktion auf Großserienproduktion umzustellen, den Mitarbeiterstamm auszuweiten und – als zentrale Aufgabe für das Unternehmen – beständig weiter zu wachsen.
Die erfolgreiche und von XperRegio begleitete Unternehmensgründung von Herrn Rüdel hat direkte Auswirkungen auf die Region: Die Zulieferbetriebe befinden sich alle in der näheren Umgebung, der weitestes ist nur 60 Kilometer entfernt. Mittelbar werden in den nächsten zwei Jahren 50 Arbeitsplätze geschaffen. Es entstehen Ausbildungsplätze, zwei Behindertenwerkstätten erhalten Aufträge.
Weitere Projektbeispiele:
- Cannaboards: Die Entwicklung und Vermarktung des ersten bruchsicheren Skateboards der Welt aus Hanffaserverstärktem Kunststoff
- Erl Automation GmbH: Die Entwicklung eines Schweißfachhandelsbetriebs zum Systemanbieter für Schweißroboter
- Theater an der Rott: Entwicklung, Aufführung und Vermarktung der ersten Operette des 21. Jahrhunderts über ein regionales Thema („Der Kaiser im Rottal“), mit Schauspielern und Musikern aus der Region
V. Ergebnisse des Projekts (2005 bis 2008)
1. Harte Fakten
In der XperRegio-Region kam es zu rund 300 Projektanfragen, 198 Projektanträgen und 165 genehmigten Projekten.
Mit den 3 Mio. EUR von der EU zur Verfügung gestellten Mitteln wurden 14,3 Mio. EUR vorhabensbezogene Kosten in der Region ausgelöst. Es entstanden mehr als 400 neue Arbeitsplätze. Dies bedeutet den Einsatz von 10.000 EUR öffentliche Mittel zur Schaffung eines Arbeitsplatzes. Zum Vergleich: In Deutschland gab es schon öffentliche Programme, beispielsweise die Initiative „Kapital für Arbeit“, in denen mit 100.000 EUR pro neu geschaffenem Arbeitsplatz kalkuliert wurde.
2. Weiche Faktoren
Gelebtes Subsidiaritätsprinzip
Die Initiative XperRegio ging von einer kleinen Gruppe von Kommunen aus. Die mutige unternehmerische Entscheidung der Kommunen, die Förderung von Unternehmertum selbst in die Hand zu nehmen, wurde von der EU belohnt. Ein Signal wurde gesendet: Risiko eingehen und Selbermachen ist der richtige Weg! Die Konsequenz daraus, die Verschiebung von „Kompetenz und Verantwortung an die Basis“, brachte große Selbstkräfte in Bewegung. Laut dem verantwortlichen Kommissions-Mitarbeiter war die Auftaktveranstaltung von XperRegio mit 450 Unternehmern aus sieben Kommunen die bestbesuchte in seinem Zuständigkeitsbereich.
Nähe zu den Menschen
Von Anfang an stand der unternehmerische Mensch im Mittelpunkt. Es gelang in kurzer Zeit, vertrauensvolle Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Der Kontakt ist stets sehr eng: Von der Entwicklung, Antragstellung bis zur Umsetzung wird jeder Geförderte intensiv betreut. Dabei ist die unternehmerische Gesinnung mindestens so wichtig wie die harten Fakten eines Vorhabens. Das Regionalmanagement weiß daher nicht nur, wer was kann, sondern auch, was ihn fasziniert, was er die nächsten Monate vor hat und wer dazu ein guter Partner sein könnte. Die Wirkung dieser Herangehensweise auf die Unternehmer vor Ort ist groß und die Überzeugung wird immer stärker: „Die Region hört mich, glaubt an mich und braucht mich!“
Mobilisierung des innovativen Potenzials
Das neue Miteinander in der Region wirkte stark innovationstreibend. Die unternehmerischen Menschen vor Ort spürten, dass es jetzt die Möglichkeit gab, mit professioneller Unterstützung Neues anzupacken. Die dadurch entstandene Aufbruchstimmung bewirkte, dass ein „Ruck durch die Region“ ging.
Öffentlichkeit
XperRegio machte „Entrepreneurship und Innovation als treibende Kraft für eine lebendige Heimat“ zum Thema der regionalen Medien (mehrere hundert Beiträge, Auswahl siehe Beilage), der Kommunalverwaltungen, Schulen, Vereine und Stammtische. In der Region reifte immer stärker die Überzeugung: Wir müssen Unternehmertum individuell fördern, damit langfristig die Gemeinschaft profitiert. Europa hat mit dem Modellprojekt eine Chance eröffnet. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen auf EU-Ebene und XperRegio, durch eine Vielzahl von Veranstaltungen und durch die Besuche Europäischer Institutionen in der Region hat auch Europa profitiert. In der XperRegio-Region ist Europa kein abstrakter Begriff, sondern hat durch die Unterstützung von XperRegio ein positives Bild hinterlassen.
3. Beteiligung von regionalen Stakeholdern
Für den Erfolg von XperRegio in der Region war die enge Kooperation mit unterschiedlichen Partnern aus verschiedenen Bereichen entscheidend.
Multiplikatoren in der Region
21 Kommunalverwaltungen
Landratsämter Rottal-Inn und Dingolfing-Landau
Hans Lindner Institut (Gemeinnützige Stiftung zur Unterstützung von Existenzgründern)
Schulen
Kindergärten
Regierung von Niederbayern
University of Applied Science Deggendorf
Universität Passau
Technische Universität München
Banken
Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern
Industrie- und Handelskammer Niederbayern
Handwerkskammer für Niederbayern und die Oberpfalz
Förderverein Schule Wirtschaft
Externe Partner für Kooperationsprojekte
Eberhard von Kuenheim Stiftung, Stiftung der BMW AG
Ashoka
Europäische Kommission, GD Regio und GD Enterprise
Wirtschaftsregion Stuttgart
Clusterland Oberösterreich GmbH
Land Südtirol, Amt für Innovation
Medienpräsenz
Print: Süddeutsche Zeitung, Wirtschaftsmagazin brandeins, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Passauer Neue Presse, Straubinger Tagblatt, Bayerische Gemeindezeitung
TV: Bayerischer Rundfunk, ZDF, Donau TV
Radio: Bayerischer Rundfunk, Radio Trausnitz
VI. Weiterentwicklung des Projekts
Nach Gründung der XperRegio GmbH im Dezember 2006 läuft aktuell die Weiterentwicklung des Projekts. Die Initiative XperRegio, die bisher hauptsächlich Unternehmertum gefördert hat, macht sich nun selbst auf den Weg, ein „Unternehmen“ Region zu werden. Die Forderungen, die XperRegio bisher an die zu fördernden unternehmerischen Menschen gestellt hat (Eigeninitiative, Risikobereitschaft, Heimatverbundenheit), sollen nun auch verstärkt auf die Initiative selbst angewendet werden. Ein Hauptziel ist dabei, ab 2013 einen eigenständigen Regionalfonds zu bewirtschaften, um sich langfristig aus eigener Kraft um die Weiterentwicklung der Region kümmern zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, werden folgende Themenschwerpunkte gelegt:
- Profilbildung: Wie kommt die Region zu einem scharfen Profil nach Innen und Außen, um sich von anderen Regionen zu unterscheiden?
- Organisationsanpassung: Wie sieht eine auf das Zielprofil der Region angepasste Organisation bzw. Beteiligungskultur aus, die sachorientiert und nicht „Pfründe sichernd“ agiert?
- Aufbau einer Finanzstruktur: Wie kann eine auf privaten Füßen stehende Investitionsstruktur der Region aufgebaut sein, die sich langfristig von der öffentlichen Wirtschaftsförderung unabhängig machen will?
- Modellbildung: Wie lassen sich die Erkenntnisse aus der bisherigen Arbeit von XperRegio und die zukünftige Weiterentwicklung des Engagements modellhaft so gestalten, dass eine möglichst gute Übertragbarkeit erreicht werden kann? Das Engagement von XperRegio weckt dabei großes Interesse. So ist beispielsweise eine erste Übertragung von Erkenntnissen auf den Nachbarlandkreis Deggendorf angelaufen. Zusätzlich gibt es viele Anfragen aus ganz Europa, um sich über das Projekt zu informieren (z.B. Einladung zur Konferenz „Regions for economic change“ in Brüssel).
XperRegio hat sich in den letzten Jahren nachhaltig entwickelt: Von einer kleinen kommunalen Initiative zur Förderung von unternehmerischen Menschen zu einem gefragten Modellprojekt für innovative, unternehmerische Regionalentwicklung. Diesen Weg gilt es nun weiter zu beschreiten.